STREICHINSTRUMENTENBAU NACH THOMASTIK

Diese Instrumente weichen in ihren Bau von den klassischen Geigen ab. Der Unterschied besteht vor allem darin, daß die Stimme mit dem Steg durch eine dafür vorgesehene Öffnung in der Decke verbunden ist. Daurch ist es möglich, auch den Boden, nicht nur die Decke direkt von den Saiten über den Steg in Schwingung zu setzen.

Dieses Prinzip findet man auch bei der walisischen Crwth, einen alten Instrument der Barden.
Die Entwicklung der neuen Instrumente geht auf den Wiener Geigenbauer Franz Thomastik (1883-1951) zurück. Wenn wir eine seiner Geigen betrachten, sehen wir, daß er bis ins kleinste alles neu durchdachte.

Der Anstoß zu seinen vielen Versuchen, die alles Traditionelle infrage stellten, war seine Klangvorstellungen, die er mit den vorhandenen Instrumenten nicht erreichen konnte. So war ihm die Neugestalltung der Geigeein inneres Anliegen.

Überdies entwickelte er einen speziellen Saitenhalter und neue Methoden zur Saitenherstellung, von denen alle Hersteller heute noch profitieren. Er bemühte sich um die Verbesserung des Kolophoniums und vieles mehr. - Begehgnungen mit Rudolf Steiner und dessen Anregungen waren für die Arbeit Thomastiks von großer Bedeutung.

Karl Weidler, Geigenbaumeister in Nürnberg, war viele Jahre Thomastiks Mitarbeiter und arbeitete weiter an diesen Impulsen. Seit 1980 befaßt sich nun Arthur Bay mit dem Neubau solcher Instrumente.

Ein Zitat von F. Thomastik soll an dieser Stelle den Kern der Bemühungen um die Weiterentwicklung im Streichinstrumentenbau erhellen: "Ich habe größten Respekt vor dem unbekannten Manne, dem zum ersten Male die Idee einer harmonischen Abstimmung der einzelnen Teile des Instruments klar worde ... ihre Verwirklichung sicher uns die volle Herrschaft über die Klangfarbe, damit die Geige nicht nur so klingt, wie sie eben klingt, sondern so, wie der Erbauer es will. ... Beim Abstimmen hört natürlich der Geigenbau auf, reines Hantwerk zu sein."

Hiervon ausgehend beschäftigt sich Arthur Bay im speziellen noch mit dem Einfluß von Wölbung, Umriß, Grundierung und Lackierung auf das Klangbild der Streichinstrumente.